Gut 5 Wochen dauert die globale Krise durch das Coronavirus SARS-CoV-2 bereits an. Viele Länder befinden sich im Kampf gegen das COVID-19-Virus und die Auswirkungen der Pandemie im Nebel. Das kann unverschuldet oder aber dadurch verursacht sein, dass der Digitale Wandel verschlafen wurde. In den Ämtern und Instituten wird vieles noch manuell erledigt – von Digitalisierung keine Spur. Und nicht nur das: Die Arbeit auf Papier bedeutet auch ein erhöhtes Infektionsrisiko für alle Beteiligten.

Fakt ist, dass das Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology CEDIM den offiziellen Fallzahlen von Deutschland und der Schweiz tatsächlich weit voraus ist. Die Länder können mit dem Crowdsourcing-Projekt nicht mithalten.

Coronavirus: Fallzahlen in Deutschland

Das Bundesministerium für Gesundheit hat die übersichtliche und informative Webseite Zusammen gegen Corona lanciert, um der gesamten Bevölkerung verständliche Informationen zum Coronavirus im Überblick zugänglich zu machen. „Was wichtig ist – einfach erklärt“ ist das Motto der Landingpage. Doch die Angaben sind trotz Ausführlichkeit rudimentär und dienen mehr zur Orientierung, denn auch die Experten wissen noch wenig über den neuartigen Coronavirus, Typ COVID-19. Einzelne Personengruppen suchen mittlerweile aber nach ganz anderen Informationen, wie etwa die Möglichkeiten zur Hilfe von Selbstständigen und KMU, die sich in der Krise plötzlich existenzbedroht sehen.

Nichtsdestotrotz wollen wir die Zahlen ganz genau im Auge behalten: Am 27. März um die Mittagszeit stieg die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Deutschland laut Johns-Hopkins-Universität und Landesgesundheitsämter auf 53.340 an. Diesen Angaben zufolge starben 395 Menschen an durch das Virus verursachten Lungenentzündung (Pneumonie). Laut dem Robert Koch-Insitiut (RKI) wurde inzwischen in jedem Landkreis mindestens ein Fall einer Ansteckung mit dem Coronavirus gemeldet.

Das RKI veröffentlicht ebenfalls eine Fülle von interessanten Information, Statistiken und Fakten zum COVID-19, darunter auch der SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19). Risklayer und das Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) haben nebenbei mit der Hilfe von Freiwilligen ein Crowdsourcing-Projekt gestartet. Die neuesten Zahlen zum Coronavirus werden direkt bei den Gesundheitsämtern eingeholt, zusammengeführt, überprüft und produzieren schließlich dieses Gesamtbild. Das CEDIM ist den offiziellen Zahlen in Deutschland und der Schweiz (siehe unten) tatsächlich weit voraus.

Covid-19 Coronavirus Pandemie
COVID-19 oder Coronavirus-Pandemie.

COVID-19-Virus: Fallzahlen in der Schweiz

In der Schweiz werden Meldungen der Corona-Fallzahlen von Ärzten, Laboren und Spitälern an das Bundesamt für Gesundheit (BAG) übermittelt. Formulare werden dabei von Hand ausgefüllt, teilweise auch per Fax versendet und vom BAG dann manuell ins zentrale System eingetragen. Dadurch entsteht zeitliche Verzögerung, die sogar mit einem Gesundheitsrisiko einhergehen kann: Die interne Arbeit auf Papier bedeutet auch ein höheres Infektionsrisiko für die Beteiligten. An dieser Stelle wird selbstverständlich deutlich, dass die Digitalisierung Fortschritt und Effizienz bedeutet. Doch umgesetzt wurde bislang nicht genug.

Darüber hinaus waren die Zahlen der Coronavirus-Fälle zu Beginn der Krise für die einzelnen Schweizer Kantone öffentlich nicht einsehbar – bis der Kanton Zürich einen Datensatz mit allen Fällen einer Ansteckung online publizierte. Das Echo aus der Open-Data-Community war gross und sehr positiv. Dieser Schritt in Richtung Transparenz ist Vorbild für andere Länder und Regionen, die noch hinterherhinken.

HackZurich lancierte unter dem Hashtag „#CodeVsCovid19“ eine Initiative im Kampf gegen das Virus und seine Folgen: 72 Stunden lang sollten tausende Forscher und Coder gemeinsam an Lösungen für die aktuellen gesundheitlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme arbeiten. Der Online-Hackathon ersetzte das HackZurich-Event, das überlicherweise im Zürcher TechnoPark stattfinden würde. Entwickelte Prototypen werden nach dem Event veröffentlicht, damit sie nach dem Open-Source-Prinzip von jedem weiter verwendet werden können.

Im Vergleich von Deutschland und der Schweiz: Was in Deutschland nicht so gut gelaufen ist, erklären ein Ökonom und ein Virologe im NZZ Interview hier: „Die Politiker behaupten nun, Deutschland habe schnell reagiert, aber das stimmt nicht.“

Fazit

Das Robert Koch-Institut meldet Zahlen der verschiedenen Gesundheitsämter. Insbesondere am Wochenende scheint sich das offensichtlich als problematisch zu erweisen, sodass die Fallzahlen mit Verzug veröffentlicht werden. Statistische Ämter und Institute produzieren dennoch langfristig verlässliche Datenquellen mit hoher Qualität. Doch um diese Daten kurzfristig online zugänglich zu machen, kann ein Community-Ansatz wie der Hackathon im Kanton Zürich helfen.

Jede zusätzliche Shutdown-Woche kostet Deutschland etwa ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das sind 35 Milliarden Euro. Die IFO Experten vom ifo Institut befürchten, dass das BIP für 2020 im schlimmsten Falle um über 20 Prozent sinken könnte. Die Ausgaben des Landes für Gegenmaßnahmen und Garantien können sich dabei auf bis zu 1,2 Billionen Euro summieren. Szenarien gehen hier davon aus, dass die getroffenen Maßnahmen über 2 – 3 Monate anhalten werden (Download des Reports als PDF Datei hier).

Es gilt weiterhin, die Fallzahlen und Daten zu publizieren und Wege zu finden, wie Genauigkeit und Geschwindigkeit der Einsicht im Netz verbessert werden können. Zahlen von Hand auf Papier zu registrieren und diese anschließend wiederum in eine Datenbank einzufügen, verlangsamt das Reporting und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Fehlern. Die Digitalisierung der Ämter in Deutschland und der Schweiz zur reinen Effizienzsteigerung ist hier nicht unbedingt genug. Eine Daten-Glasnost sollte helfen, damit die Dinge in Zukunft besser laufen werden – bei der nächsten Pandemie.

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