Wie beschäftige ich meine Kinder zu Hause?

Die ökonomische Auswirkungen der Coronavirus-Krise sind für die Europäische Wirtschaft verheerend. Jungpflanzen wandern in diesen Wochen auf den Kompost statt in den Verkauf. Kurzarbeit und Hilfskredite lösen nur einen Teil der Probleme. Das Resultat ist, dass z.B. die Hälfte der Schweizer Gärtnereien vor dem Aus steht.

Viele KMU (Klein- und Mittlere Unternehmen) haben eine Epidemieversicherung. Doch diese zahlt nicht, denn am 11. März hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Coronavirus-Seuche zur Pandemie erklärt. Leider sind Pandemien in Epidemieversicherungen ausgeschlossen.

Coronavirus: Wie meistern wir Krise?

Das Coronavirus ist auch im Marketing Thema, denn zur Krisenzeit ist es hart für die Marketingbranche. Mit Ausnahmen einiger digitaler Anbieter und Food Commerce Plattformen ist es schwierig mit Kunden zu arbeiten oder erfolgreich neue Aufträge und Partner zu akquirieren.

Zwar sollte das Marketing nicht zurückgefahren werden müssen, doch überall gibt es Budgetkürzungen in den Marketing-Abteilungen und beispielsweise Fälle, in denen die Geschäftsleitung per Rundschreiben fordert, dass alle Projekte mit externen Kontakten auf Eis gelegt werden sollen. Dann ist beispielsweise auch der Grafiker im Home Office ohne Arbeit.

Die Krise führt auch zu Liquiditätsengpässen, die eine große Herausforderung darstellen. Daher folgen an dieser Stelle einige wichtige Informationen mit Tipps, die zusammengenommen als kleines Coronavirus Ratgeber Kompendium für Marketing Professionals genutzt werden können.

DSGVO und Home Office

Viele Beschäftigte im Home Office greifen nun von den weniger gut geschützten Heimcomputern auf die internen Netzwerke großer Unternehmen zu. Hier mangelt es an vielen Stellen an Cybersecurity – ein Open Gate way für Hacker, die es jetzt besonders leicht haben, persönliche Daten der Kunden oder andere interne und vertrauliche Informationen einzusehen und zu stehlen. Wir müssen sicherstellen, dass Kundendaten und die Privatsphäre der Menschen, die einem Unternehmen vertrauen, auch bei jedem Einzelnen zu Hause sicher sind.

Wenn wir bei einer Video-Konferenz dabei sind, müssen wir uns nicht nur Gedanken machen, ob die Wohnung im Hintergrund des Webcam-Bildes aufgeräumt ist, sondern auch überlegen, ob die genutzte Plattform DSGVO-konform ist. Auch unsere Kinder sollten aus Datenschutz-rechtlichen Gründen nicht im Conference Call auftauchen.

Der Competence Circle Technologie, Innovation & Management (ccTIM) vom Marketingverband hat dazu ein White Paper veröffentlich, das aufzeigt, wie mit einfachen und praktischen Mitteln, die DSGVO in vielen Fällen eingehalten werden kann, und was es darüber hinaus zu beachten gilt:

Download – DMV White Paper DSGVO-Compliance

Auch hier finden sie 2 Checklisten für das Digital Marketing in der Krisenzeit: DSGVO-Audit Light: Self-Check zum Download. Mit diesem Tool können Sie ganz einfach überprüfen, auf welche Aspekte Sie im Home Office achten müssen und wo ggf. Verbesserungen nötig sind.

Website Audit Light

Die Beschäftigung im Bereich Marketing macht es unabdingbar, auch die eigene Website bzw. die Website des Unternehmens zu überprüfen. Einige von uns haben nun mehr Zeit, sich dieser Aufgabe zu widmen und sollten das unbedingt tun: Entspricht die Website immer noch den neuen Gegebenheiten? Eine dieser Gegebenheiten ist beispielsweise, dass gut 50% der Besucher von einem mobilen Endgerät auf die Webseite zugreifen werden.

Zu beachten ist dabei die besondere Aufmerksamkeitsstruktur der Smartphone-User. Die Aufmerksamkeitsspanne im Web ist bereits eine erheblich kürzere als die des Lesers einer Fachzeitschrift oder dem Ausdruck eines Artikels auf Papier – das wissen wir bereits. Die Eye-Tracking-Forschung zeigt, dass Besucher einer Website oder Leser eines Blogbeitrags eine Website vermehrt nach einer bestimmten Struktur scannen.

Für die Smartphone-Nutzung spitzt sich dies radikal zu, denn die Besucher scannen Informationen nicht einfach nur von oben nach unten, sondern auch in der Manier des altbekannten Flipper-Spielapparat.

Ein traditionelles Flipper Gerät (links) ist ein glasüberdachter Tisch-Schrank, in dem sich ein schräg liegendes Spielfeld mit verschiedenen Stoßfängern, Hindernissen und Zielen befindet. Der Spieler verwendet den Flipper, um eine Metallkugel auf das Spielfeld zu schießen und Punkte für das Treffen verschiedener Ziele zu erspielen.

Nach diesem Flipper-Muster (rechts) „hüpft“ der Blick des Benutzers wie die Metallkugel zwischen visuellen Elementen und Schlüsselwörtern in einer SERP hin und her (mehr zum Thema hier). Verschiedenen Platzierungen auf der Website kommt dabei eine bestimmte Gewichtung und Relevanz der Inhalte im Bewusstsein der Nutzer zu.

SEO Organische Suchresultate: Nutzer gehen heute anders vor, zum Vorteil von Google My Business Einträgen und Fotos.
SEO Organische Suchresultate: Nutzer gehen heute anders vor, zum Vorteil von Google My Business Einträgen und Fotos.

Der obige Screenshot zeigt klar, warum der Google My Business Eintrag einem Solo-Selbständigen oder aber einem Marketing Club mehr relevanten Traffic bringen kann (Beispiel vom Marketing Club Lago)

Prüfen Sie Ihre Website aus der Sicht der Benutzer, um Ihr Digital Marketing zu verbessern. So stellen Sie sicher, dass auf jeder Seite Ihrer Website z.B. der Call-to-Action an der richtigen Stelle steht:

Download für den Website Audit Light.

Webinar oder Videokonferenz: Freecall, Zoom und Whereby

Wir alle wissen, dass es während einer so schwierigen Zeit wie der Corona Krise wichtig ist, mit unseren Kunden in Kontakt zu bleiben. Dank neuer Technologien funktioniert das auch im Home Office sehr gut. Zur Koordination und Strukturierung des Arbeitsprozesses empfiehlt sich, im Team regelmäßig miteinander zu kommunizieren. Es reichen schon 15 Minuten, z.B. zwei mal die Woche. 

Hier sind 4 Vorschläge, welche Tools man nutzen kann, die gleichzeitig einfach, schnell und kostenlos sind:

Skype kennen die meisten von uns. Das System ist dank Microsoft auch im Corporate Bereich bekannt. Doch bei schlechter Internetverbindung oder Überlastung der Internetprovider funktioniert es oft nicht einwandfrei.

Noch einfacher für einen Team TelCo ist Freecall.com. Ebenfalls kostenlos und mit lokaler Fixnet Nummer in ganz Europa.

Für Videokonferenzen kann man z.B. Zoom.com nutzen –  kostenlos für einen Moderator mit bis zu 100 Teilnehmern und maximal 40 Minuten pro Konferenz. Doch Zoom war erst kürzlich in den Medien und wird von einem New Yorker Staatsanwalt wegen Datenschutz-Verletzungen unter die Lupe genommen. Doch die DSGVO – Auftragsverarbeitungsvertrag scheint in Ordung.

Als Alternative zu Zoom hat sich Whereby.com ins Gespräch gebracht. Die kostenlose Version der norwegischen Software lässt sich ohne Anmeldung benutzen. Der Verkauf von Benutzerdaten an Werbetreibende sei nicht Teil des Geschäftsmodells, betont die Firmengründerin Ingrid Ødegaard im Gespräch mit der dänischen Denkfabrik Dataethics. Datenschutz sei ihr ein persönliches Anliegen, man habe große Anstrengungen unternommen, um die europäische Datenschutz-Grundverordnung umzusetzen.

Weitere Tools für das Home Office

Die ökonomische Auswirkungen der Coronavirus-Krise zeigen sich nicht nur in Italien, sondern auch in der Schweiz. Hier stellen rund 20% der Arbeitnehmer schon gegen Ende März auf Kurzarbeit um. Die Schweiz versucht diese wirschaftliche Krise für Selbständige, Freiberufler und KMU zu lindern. Doch was bietet Deutschland für Freischaffende, Selbständige und Ihr KMU? Mehr dazu hier.

COVID-19 Kurzarbeit und KMU

Die Bundesagentur für Arbeit erklärt, dass Kurzarbeitergeld (KUG) bis zum Umfang von 67 Prozent des Nettoentgelts, das Betroffenen durch den Arbeitsausfall entgeht, bezahlt wird. Die Arbeitsagentur informiert in Kürze auch im Merkblatt Kurzarbeitergeld (KUG): Corona Virus: Informationen für Unternehmen.

Mikro-, Kleinst- und Kleinunternehmen werden vom statistischen Bundesamt definiert nach Umsatz- und Beschäftigten­größenklassen. Kleinunternehmen (KMU) sind Unternehmen, die bis zu 249 Vollzeitbeschäftigte haben und einen Umsatz von bis 50 Millionen Euro verzeichnen. Damit fallen gut 99 Prozent aller Unternehmen in diese Kategorie. Unternehmen, die 250 Vollzeitangestellte und mehr sowie über 50 Millionen Euro Umsatz machen, sind je nach Land nur ca 1 – 2 Prozent aller in einem Land ansässigen Unternehmen.

KategorieWann gibt es Kurzarbeitergeld?
Selbständige und FreiberuflerSelbstständige und Solo-Selbstständige erhalten kein Kurzarbeitergeld. Hier greifen die Wirtschaftshilfen, die Bund und Länder beschlossen haben (siehe unten). Informationen und Kontaktmöglichkeiten finden Sie auf den Seiten der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation.
KMUKurzarbeitergeld (FAQ) gibt es, wenn mindestens 10 Prozent, der Beschäftigten einen Arbeitsentgeltausfall von mehr als 10 Prozent haben. Für ausgefallene Arbeitsstunden werden angefallene Sozialversicherungsbeiträge von der Agentur für Arbeit zu 100 Prozent rückerstattet. Der Bezug auf KUG ist dabei bis zu 12 Monate lang möglich.

Es gibt keine Sonderregelung, wenn die Beschäftigten im Home Office oder am PC in der häuslichen Quarantäne wie gewohnt arbeiten können und damit weiterhin ihren Lebensunterhalt verdienen!

Wie wird die Zahl der Beschäftigten festgesetzt?

Stichtag für die Berechnung der Mitarbeiterzahl ist der 31.12.2019. Es gilt die Wochenarbeitszeit der Beschäftigten. Zur Umrechnung von Teilzeitkräften und 450 Euro-Jobs in Vollzeitbeschäftigte, gilt:

  • Mitarbeiter bis 20 Stunden = Faktor 0,5
  • Mitarbeiter bis 30 Stunden = Faktor 0,75
  • Mitarbeiter über 30 Stunden und Auszubildende = Faktor 1
  • Mitarbeiter auf 450 Euro-Basis = Faktor 0,3

Der Unternehmer selbst ist dabei mitzuzählen. Auszubildende werden nur dann mitgezählt, wenn durch ihre Anrechnung die Förderobergrenze von 50 Beschäftigten nicht überschritten wird. Als Beschäftigter zählt, wer mit dem Unternehmen zum oben genannten Stichtag einen laufenden Arbeitsvertrag hat/hatte.

Hilfspaket für Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen

Die Bundesregierung hat ein 50-Milliarden-Euro-Hilfsprogramm aufgesetzt, um kleine und kleinste Unternehmen, Selbstständige und Freiberufler in der globalen Krise zu unterstützen. Dabei geht es um unbürokratisch zu gewährende Soforthilfen, die nicht zurückgezahlt werden müssen. Voraussetzung sind „wirtschaftliche Schwierigkeiten in Folge von Corona“, die im Antrag versichert werden müssen. Folgende Zuschüsse sind vorgesehen:

  • Selbstständige und Unternehmen mit bis zu 5 Beschäftigten (Vollzeitäquivalente): bis zu 9.000 Euro.
  • Selbstständige und Unternehmen mit bis zu 10 Beschäftigten: bis zu 15.000 Euro.
  • Selbstständige erhalten leichter Zugang zur Grundsicherung, damit Lebensunterhalt und Unterkunft gesichert sind. Die Vermögensprüfung wird dabei für sechs Monate ausgesetzt, Leistungen sollen sehr schnell ausgezahlt werden

Einige Bundesländer haben eigene Soforthilfe-Programme aufgesetzt, wie z.B. das Land Baden-Württemberg – Antrag hier. Die Einteilung sieht hier ähnlich aus, wie bei den Soforthilfen des Bundes. Die Soforthilfe gilt für alle Selbstständigen und Unternehmen, die bis zu 50 Beschäftigte haben.

Rheinland Pfalz bietet Kredite zu besonders günstigen Bedingungen z.B. mit einer Laufzeit von 6 Jahren. Diese sind nach Angaben des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums bis Ende des Jahres 2021 zins- und tilgungsfrei.

Datenqualität Coronavirus: Verwirrung um Fallzahlen führt zu falschen Entscheidungen.
Finanzencheck: Umsatzeinbrüche und Liquiditätsengpässe durch das Coronavirus

Corona-Soforthilfen: Adressen und Ansprechpartner in den Bundesländern

Während der Corona-Krise bieten die Landesförderinstitute Förderprogramme und Bürgschaften für KMU, Selbständige und Freiberufler. Hier eine Liste aller zuständigen Banken auf einen Blick (sollten Sie bemerken, dass eine Bank fehlt, hinterlassen Sie uns diese bitte in einem Kommentar unter dem Beitrag):

Tipp: Für KMU und Selbständige hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie eine Hotline eingerichtet, unter der man sich über die verschiedenen Möglichkeiten informieren kann +49 30 18615 1515 Mo-Fr., 9-17 Uhr.

Coronavirus: KfW-Kredite für Selbstständige und KMU

Die KfW-Bank vergibt Kredite zu besonderen Konditionen. Freiberufler und KMU können neben großen Betrieben bei der KfW-Bank einen Kredit aufgrund der COVID-19-Pandemie beantragen. Der Antrag läuft im Normalfall über die eigene Bank. Die Wartezeit beträgt hier allerdings mehrere Wochen. Inwiefern sich die Wartezeit wegen den besonderen Ressourcen-Allokationen der Banken verringern wird, ist zur Zeit unklar.

Weitere Ressourcen

Gut 5 Wochen dauert die globale Krise durch das Coronavirus SARS-CoV-2 bereits an. Viele Länder befinden sich im Kampf gegen das COVID-19-Virus und die Auswirkungen der Pandemie im Nebel. Das kann unverschuldet oder aber dadurch verursacht sein, dass der Digitale Wandel verschlafen wurde. In den Ämtern und Instituten wird vieles noch manuell erledigt – von Digitalisierung keine Spur. Und nicht nur das: Die Arbeit auf Papier bedeutet auch ein erhöhtes Infektionsrisiko für alle Beteiligten.

Fakt ist, dass das Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology CEDIM den offiziellen Fallzahlen von Deutschland und der Schweiz tatsächlich weit voraus ist. Die Länder können mit dem Crowdsourcing-Projekt nicht mithalten.

Coronavirus: Fallzahlen in Deutschland

Das Bundesministerium für Gesundheit hat die übersichtliche und informative Webseite Zusammen gegen Corona lanciert, um der gesamten Bevölkerung verständliche Informationen zum Coronavirus im Überblick zugänglich zu machen. „Was wichtig ist – einfach erklärt“ ist das Motto der Landingpage. Doch die Angaben sind trotz Ausführlichkeit rudimentär und dienen mehr zur Orientierung, denn auch die Experten wissen noch wenig über den neuartigen Coronavirus, Typ COVID-19. Einzelne Personengruppen suchen mittlerweile aber nach ganz anderen Informationen, wie etwa die Möglichkeiten zur Hilfe von Selbstständigen und KMU, die sich in der Krise plötzlich existenzbedroht sehen.

Nichtsdestotrotz wollen wir die Zahlen ganz genau im Auge behalten: Am 27. März um die Mittagszeit stieg die Zahl der Coronavirus-Infektionen in Deutschland laut Johns-Hopkins-Universität und Landesgesundheitsämter auf 53.340 an. Diesen Angaben zufolge starben 395 Menschen an durch das Virus verursachten Lungenentzündung (Pneumonie). Laut dem Robert Koch-Insitiut (RKI) wurde inzwischen in jedem Landkreis mindestens ein Fall einer Ansteckung mit dem Coronavirus gemeldet.

Das RKI veröffentlicht ebenfalls eine Fülle von interessanten Information, Statistiken und Fakten zum COVID-19, darunter auch der SARS-CoV-2 Steckbrief zur Coronavirus-Krankheit-2019 (COVID-19). Risklayer und das Center for Disaster Management and Risk Reduction Technology (CEDIM) haben nebenbei mit der Hilfe von Freiwilligen ein Crowdsourcing-Projekt gestartet. Die neuesten Zahlen zum Coronavirus werden direkt bei den Gesundheitsämtern eingeholt, zusammengeführt, überprüft und produzieren schließlich dieses Gesamtbild. Das CEDIM ist den offiziellen Zahlen in Deutschland und der Schweiz (siehe unten) tatsächlich weit voraus.

Covid-19 Coronavirus Pandemie
COVID-19 oder Coronavirus-Pandemie.

COVID-19-Virus: Fallzahlen in der Schweiz

In der Schweiz werden Meldungen der Corona-Fallzahlen von Ärzten, Laboren und Spitälern an das Bundesamt für Gesundheit (BAG) übermittelt. Formulare werden dabei von Hand ausgefüllt, teilweise auch per Fax versendet und vom BAG dann manuell ins zentrale System eingetragen. Dadurch entsteht zeitliche Verzögerung, die sogar mit einem Gesundheitsrisiko einhergehen kann: Die interne Arbeit auf Papier bedeutet auch ein höheres Infektionsrisiko für die Beteiligten. An dieser Stelle wird selbstverständlich deutlich, dass die Digitalisierung Fortschritt und Effizienz bedeutet. Doch umgesetzt wurde bislang nicht genug.

Darüber hinaus waren die Zahlen der Coronavirus-Fälle zu Beginn der Krise für die einzelnen Schweizer Kantone öffentlich nicht einsehbar – bis der Kanton Zürich einen Datensatz mit allen Fällen einer Ansteckung online publizierte. Das Echo aus der Open-Data-Community war gross und sehr positiv. Dieser Schritt in Richtung Transparenz ist Vorbild für andere Länder und Regionen, die noch hinterherhinken.

HackZurich lancierte unter dem Hashtag „#CodeVsCovid19“ eine Initiative im Kampf gegen das Virus und seine Folgen: 72 Stunden lang sollten tausende Forscher und Coder gemeinsam an Lösungen für die aktuellen gesundheitlichen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme arbeiten. Der Online-Hackathon ersetzte das HackZurich-Event, das überlicherweise im Zürcher TechnoPark stattfinden würde. Entwickelte Prototypen werden nach dem Event veröffentlicht, damit sie nach dem Open-Source-Prinzip von jedem weiter verwendet werden können.

Im Vergleich von Deutschland und der Schweiz: Was in Deutschland nicht so gut gelaufen ist, erklären ein Ökonom und ein Virologe im NZZ Interview hier: „Die Politiker behaupten nun, Deutschland habe schnell reagiert, aber das stimmt nicht.“

Fazit

Das Robert Koch-Institut meldet Zahlen der verschiedenen Gesundheitsämter. Insbesondere am Wochenende scheint sich das offensichtlich als problematisch zu erweisen, sodass die Fallzahlen mit Verzug veröffentlicht werden. Statistische Ämter und Institute produzieren dennoch langfristig verlässliche Datenquellen mit hoher Qualität. Doch um diese Daten kurzfristig online zugänglich zu machen, kann ein Community-Ansatz wie der Hackathon im Kanton Zürich helfen.

Jede zusätzliche Shutdown-Woche kostet Deutschland etwa ein Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Das sind 35 Milliarden Euro. Die IFO Experten vom ifo Institut befürchten, dass das BIP für 2020 im schlimmsten Falle um über 20 Prozent sinken könnte. Die Ausgaben des Landes für Gegenmaßnahmen und Garantien können sich dabei auf bis zu 1,2 Billionen Euro summieren. Szenarien gehen hier davon aus, dass die getroffenen Maßnahmen über 2 – 3 Monate anhalten werden (Download des Reports als PDF Datei hier).

Es gilt weiterhin, die Fallzahlen und Daten zu publizieren und Wege zu finden, wie Genauigkeit und Geschwindigkeit der Einsicht im Netz verbessert werden können. Zahlen von Hand auf Papier zu registrieren und diese anschließend wiederum in eine Datenbank einzufügen, verlangsamt das Reporting und erhöht die Wahrscheinlichkeit von Fehlern. Die Digitalisierung der Ämter in Deutschland und der Schweiz zur reinen Effizienzsteigerung ist hier nicht unbedingt genug. Eine Daten-Glasnost sollte helfen, damit die Dinge in Zukunft besser laufen werden – bei der nächsten Pandemie.